Erfolg kann man nicht buchen

... sie sind (fast) alle in meinem Buch nachzulesen.

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Inzwischen bin ich aus persönlichen Gründen nach Rövershagen gezogen, arbeite aber in Graal-Müritz
So lasse ich es mir nicht nehmen, auf meiner 30 km - Runde Graal-Müritz in seiner gesamten Länge zu durchqueren und von der Strandpromenade den Blick auf das Meer zu genießen.
Oftmals fahre ich hier entlang.
Aus meinem Manuskript "Heimsuchung", hier ein kleiner Ausschnitt über die Strandpromenade in Graal-Müritz:
Der Opa im Gebüsch
Wie fast jeden Tag radelte ich im Sommer ganz gemächlich die Graal-Müritzer Promenade in Richtung Seebrücke entlang und erfreute mich der Landschaft links und rechts des Weges. Hecken, Büsche und Seegras säumten die Strecke. Orangefarben leuchtete der Sanddorn und kündete vom Ende des Sommers. Vereinzelt hatte der Wind etwas Seesand auf den Weg geweht und man musste Acht geben, nicht stecken zu bleiben. Der Blütenduft der Rosenäpfel raubte einem fast die Sinne.
Es kam mir ein junger Mann mit seiner kleinen Tochter, ebenfalls per Rad, entgegen. "Corinna", sagte der junge Mann, " pass doch auf, wo du fährst, du musst nach vorne schauen! Deinetwegen musste der Opa jetzt ins Gebüsch!"
Ja, ich stand im Gebüsch aber wo war der Opa?

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Die Abenteuer der Vorjahre habe ich gelöscht. Wer sie nachlesen möchte, der frage mich einfach...
Mittsommernachtslauf Krakow am See 2013
Kurzfristig entschied ich mich, den Mittsommernachtslauf in diesem Jahr mitzulaufen. Im Jahre 2011 lief ich ihn schon einmal und er hat mir gut gefallen, trotz meines zweiten Platzes in der AK 55.
Nun bin ich bereits ein Jahr in der AK 60 und rechnete mir in dieser Altersklasse Siegeschancen aus. Ich weiß aber, daß es auch hier noch alte „Haudegen“ gibt, die schnell laufen können.
Ein Versuch, mir vor dem Lauf im Internet die Starterliste anzuschauen, um mögliche Konkurrenten zu ihrer Laufleistung zu überprüfen, schlug fehl, da es keine dementsprechende Veröffentlichung gab.
Bei der Nachmeldung am Lauftag hatte ich Glück, die Starterliste lag aus. Da mich die Namen der Läufer nun nicht mehr interessierten, schrieb ich mir lediglich die Startnummern heraus – auf meine Handfläche, damit ich während des Laufs dann „nachlesen“ konnte.
Das Wetter spielte gut mit, es waren ca. 25°C, eigentlich ganz nach meinem Geschmack. Punkt 18.00 Uhr knalle der Startschuss und es ging auf die 30 km-Runde um den Krakower See, hinein in die herrliche Endmoränenlandschaft. Bis Kilometer 10 ging bzw. lief bei mir gar nichts. Ich schnaufte wie ein Walross und war oft im anaeroben Bereich. Anhand meines „Handzettels“ konnte ich sehen, wer von meiner Altersklasse an mir vorbei zog. Ein Läufer lief bei Kilometer 8 neben mir, den ich in meiner „Liste“ nicht erfasst hatte, ihn aber „verdächtigte“ entweder der AK 65 oder 60 anzugehören. Sicherheitshalber fragte ich ihn danach. Er war AK 55, also keine Gefahr für mich.
Nach Kilometer 10 besserte sich mein Zustand und ich begann, das Feld langsam von hinten „aufzurollen“. Dem Rostocker Sparkassenchef zollte ich dabei Beifall für seine bisherige Laufleistung und schlug ihm einen neuen Slogan für die Ostsee Sparkasse vor „Mit Ausdauer zum Erfolg“ und dazu sein Läuferbild. Das würde bei den Kunden besser ankommen als sein Bild mit Schlips und Anzug und dem Image der OSPA bestimmt gut tun.
Ob er es macht – kann ja sein.
Inzwischen bei Kilometer 20 angekommen, hatte ich eine einigermaßen gute Übersicht, dank meiner „Handflächenliste“ über meine Konkurrenten und meine Position. Ein Läufer rief mir zu: „Du wirst die Altersklasse 60 bestimmt gewinnen!“ „Woher weißt Du, daß ich in der AK60 bin?“, fragte ich ihn. Er antwortete darauf nicht, sagte nur, daß er froh wäre, in dem Alter noch so schnell laufen zu können.
Da ich unrasiert an den Start ging, sah ich sicher altersgerecht aus und somit hatte er richtig geraten. Ob das mit dem Sieg in der AK klappen würde, das wusste ich aber nicht. Bis auf eine, die Startnummer 144, hatte ich alle Konkurrenten hinter mir gelassen. Sie musste also noch vor mir sein und auch bei Kilometer 25 hatte ich die 144 nicht eingeholt. Mist, dachte ich. Wieder nur Zweiter. Schade. Zwei Kilometer vor dem Ziel blickte ich zufällig nach unten zu meiner Startnummer. Die 144 war ja ich!
Das motivierte und gab mir einen Kräfteschub bis ins Ziel.
Ich wurde Sieger der AK 60. Wenn auch 14 Minuten langsamer als beim vorigen Mal aber möglicherweise ist der Leistungsabfall in meinem Alter pro Jahr drastischer als bei einem Dreißigjährigen.
Schön war es auch, bei diesem Lauf so viele bekannte Läufer zu treffen. – Wir sind eben eine große Familie.

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Aktion Edelweiß 
2014
„Der Swissalpine ist nun langsam mal fällig“, meinte mein Lauffreund Andy vor einiger Zeit.
Also fuhren wir hin zur 29. Auflage des legendären Swiss-Alpine-Marathons ins schweizerische Davos.
Jörg, ein Lauffreund und Trainingspartner aus meinem Ort kam ebenfalls mit. Beide meldeten sich für die Königsdistanz, den K78 mit 78 km Länge und bis zu 2700 m Höhe.
Schade, daß Jörgs Frau aufgrund dienstlicher Belange ihre Teilnahme absagen musste, jedoch nach der Größe seiner Reisetasche zu urteilen, muss er sie wohl doch mitgehabt haben.
Ich fuhr als Coach mit und wollte beide auf den ersten Kilometern laufend begleiten, hatte ich doch vor einigen Jahren den K78 sechs Mal infolge absolviert. Mir alles nochmal in Ruhe anzusehen, das war meine Absicht, denn als Wettkämpfer ist das nur eingeschränkt möglich.
Als hätte der Starter um 07.00 Uhr Ortszeit ein Loch in den Himmel geschossen, begann es zu regnen und es war kalt, keine 10°C und auf dem Berg noch weniger. Das Tante-Emma-Badewetter der Vortage war verschwunden.
Schon auf der Dorfrunde nach vier Kilometern stellte ich fest, daß ich mit Jörg nicht mithalten konnte und ließ ihn laufen, wollte er doch eine Zeit unter zehn Stunden schaffen, jedoch in erster Linie aber den Lauf überhaupt überstehen.
Die Strecke verlief hinter Davos anders als zu meiner Zeit. Es ging gleich ins Gelände.
Ich wartete auf Andy. Er fühlte sich gut und war zuversichtlich. Ich machte einige Fotos von ihm und der Läuferschar, die sich wie ein Lindwurm durch die imposante Bergwelt schlängelte.
In Monstein, bei Kilometer 18, sprang ich in den gerade ankommenden Zug der Rhätischen Bahn und war froh, dem Regen und der Kälte entronnen zu sein und fuhr zurück in die Unterkunft nach Davos. Eine heiße Dusche erweckten meine Lebensgeister wieder.
Dabei dachte ich an Jörg und Andy, die sich unter widrigen Bedingungen durch die Bergwelt kämpften.
Durch den SMS-Service des Veranstalters war ich über ihre jeweilige Position halbwegs informiert.
Gegen 14.00 Uhr ein leises Klopfen an der Zimmertür: Andy begehrte Einlass. Halb erfroren und völlig durchnässt stand er vor mir. Die Bedingungen zwangen ihn, sich für den C42, den Marathon, werten zu lassen. Er hatte einfach „umgebucht“. Mir erging es 2003 ebenso und es war eine vernünftige Entscheidung im Interesse der Gesundheit und Sicherheit.
Andy erholte sich schnell und wir dachten an Jörg. Wie mag es ihm inmitten der Bergwelt des Piz Kesch ergehen? Die letzte Meldung durch den Service kam von der Keschhütte. Also war er bereits oben. Ausgehend von meiner damaligen Laufzeit rechnete ich mit seiner Zielankunft gegen 18.00 Uhr.
Als ich gegen 17.00 Uhr ins Stadion kam hörte ich bereits den Stadionsprecher seinen Namen rufen. Mit knapp über 10 Stunden lief er durchs Ziel. Klasse! Klasse, den Lauf unter diesen Bedingungen überhaupt überstanden zu haben.
2015 erlebt der Swissalpine, der größte und härteste Ultraberglauf der Welt, seine 30. Auflage. Jörg und Andy werden laufend dabei sein.
Ach ja, unser Abenteuer benannten wir nach einem hochalpinen Gewächs, dem Edelweiß, das wir jeder als Andenken an dieses Erlebnis mitbrachten.
Es ist gut, daß man solche Abenteuer und Erlebnisse nicht einfach kaufen kann. Sie zu erleben erfordert eine ganz bestimmte Persönlichkeit, die am langjährigen Training bei Hitze, Kälte, Wind und Regen nicht gescheitert ist. Von Einhundert schaffen das vielleicht zwei oder drei, so wie Jörg und Andy.
Vor dem Start mit OK-Präsident des Swissalpine, Andrea Tuffli

Andy unterwegs
Jörg im Ziel
Wir kommen wieder.

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Mein Weg zur Arbeit

- Im Herbst / Winter -
In meinem Buch „Erfolg kann man nicht buchen“, habe ich einiges zu meinem Hobby, dem Laufen, geschrieben.
Um mein Lauftraining effektiver zu gestalten und dabei noch (Trainings-)Zeit zu sparen, bin ich auf den Gedanken gekommen, den Arbeitsweg (24 km hin und zurück) mit dem Training zu verbinden
So laufe ich (fast) täglich zur Arbeit und wieder zurück.
Welche Abenteuer ich dabei erlebe möchte ich schildern:
Der Lauf zur Frühschicht ist besonders interessant:
Es ist 03:50 Uhr als ich wach werde. Noch ist es dunkel. Einschlafen lohnt nicht mehr, denn in 10 Minuten würde mein Wecker klingeln und mich zur Frühschicht rufen. Ich schalte per Fernbedienung die Kaffeemaschine ein und ebenso die Stehlampe.
Eine Tasse Kaffee und ein winziges Stück Kuchen müssen für den Weg zur
Arbeit reichen. Mit mehr kann ich mich vor dem Lauf nicht belasten.
Waschen, frühstücken und Laufbekleidung anziehen - in 20 Minuten ist alles erledigt und ich kann los.
Kalter Wind bläst mir entgegen als ich die Haustür öffne. Die Temperatur bewegt sich um den Gefrierpunkt. Es war auch schon mal kälter. Der Rekord steht bei minus 17°C vor einigen Jahren.
Mir rinnen Tränen das Gesicht herunter und die Kälte dringt durch meine dünne Sportbekleidung. Die ersten drei Kilometer laufen sich besonders schwer. Kaum ein Mensch ist um diese Zeit unterwegs. Das ist gut so, denn ich liebe die Einsamkeit und Stille des Morgens. Überall ist es noch dunkel. Ich schalte meine Kopflampe ein, um den Weg zu finden. Er verläuft von Rövershagen in Richtung Wiethagen zur Wiethäger Schneise am Rostocker Forstamt vorbei und dann entlang der Landstraße L 22 in Richtung Torfbrücke und Graal-Müritz durch die Rostocker Heide, einem landschaftlich reizvollen Terrain.
Das Forstamt hüllt sich in Dunkelheit denn der Förster schläft vermutlich noch.
Nach etwa fünf Kilometern habe ich „Betriebstemperatur“ und der Körper hat sich an die Belastung gewöhnt. – Frühsport mochte ich noch nie!
Fast endlos scheint mir das schmale Asphaltband des Radweges neben der Straße. Nur wenige Autos sind unterwegs und ich vermute, es sind Menschen meiner Berufsgruppe.
Jetzt habe ich Muße, mich der Umgebung zu widmen. Der Kegel meiner Leuchte erlaubt mir nur einen Tunnelblick und so höre ich das Flattern eines aufgescheuchten Vogels und einen Waldkauz rufen.
Vielleicht will er die anderen Tiere auf den Exoten aufmerksam machen, der da früh morgens durch den Wald rennt und sie stört. Doch was ist das? Eine Lichterkette quer über den Radweg. Wieso ist der gesperrt? Die Lichter beginnen sich zu bewegen, tanzen hin und her. Narrt mich mein Verstand?
Ein Rudel Rehe mit ihren leuchtenden Augen steht mir gegenüber. Wie kleine Taschenlampen leuchten ihre Augen im Scheinwerferkegel meiner Lampe. Ich bleibe stehen, die Rehe flüchten in den Wald und ich sehe in der Ferne noch vereinzeln ihre Augen funkeln.
Ich laufe weiter.
Zwei große "Taschenlampen" das fernlicht eines Autofahrers, blendet mich. Ich sehe fast den Weg nicht mehr. Ich schalte die hellste Stufe meiner Leuchte ein und drehe meinen Kopf dem Blender zu. Das bringt ihn zur Vernunft.
Nach neun Kilometern erreiche ich den Ortsteil Torfbrücke. Er gehört noch zu Rostock.
Majestätisch überquert ein Hirsch die Wiedortschneise.
Er bleibt kurz stehen und schaut zu dem komischen Wesen mit der weißen
Mütze, das da frühmorgens durch den Wald hetzt und verschwindet dann lautlos im Gebüsch.
Das Haus des Gastes mit seinen großen Werbebannern für lokale Höhepunkte huscht an mir vorbei und eine verschlafene Autofahrerin fährt mich beim Queren der Kurstraße fast über. Ich glaube, auch das hat sie nicht wach gemacht.
Das Trainings-Programm meines Smartphones meldet mir, dass ich nun mein Ziel erreicht habe. – Es stimmt, denn ich stehe auf dem Hof meiner Arbeitsstelle. Durch die Hintertür betrete ich sie, dusche, ziehe mich um und bin nun bereit, die Aufgaben des Tages in Angriff zu nehmen.

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Aktion Glück Auf

Unsere Reise zum Mittelpunkt der Erde
15. November 2014
13. Untertage-Sparkassenmarathon
Zwar ging es nicht ganz so weit, aber die Richtung stimmte. In 700 m Tiefe hielt der Förderkorb im Brügman -Schacht Sondershausen und wir stiegen aus.
Hier unten war Sommer, ewiger Sommer. Angenehme 25°C umgaben mich und der Gedanke an das nasskalte Wetter oben ließ mich doch ein wenig frösteln.
Die ca. 500 Teilnehmer aus 15 Nationen wurden mit flotter Musik einer Bergmannskapelle auf dieses Abenteuer eingestimmt.
Ein harter Kanten, wie ich von meinen vorigen Teilnahmen wusste, stand mir bevor.
In diesem Salzbergwerk, es soll der Größe des Erfurter Straßennetzes entsprechen, werden verschiedenartigste Sportveranstaltungen, vom Mountainbiking bis hin zum Marathon ausgetragen. Konzerte finden statt und sogar heiraten kann man hier unten. Ob es dann oben besser miteinander klappt, ist noch nicht erwiesen.
Gekennzeichnet ist der zu laufende Rundkurs von 3,5 km durch sehr welliges Profil, gespickt mit giftigen Anstiegen und Gefällen bis zu 22%. An manchen Passagen erreicht die Temperatur 35°C und die Luftfeuchte nur 20%. Extreme Bedingungen, die für Abenteurer und Marathoneinsteiger ungeeignet sein sollten.
Aus dem Grunde hatte man erst- und letztmalig – es wird die letzte Auflage dieses Laufes sein – die Halbmarathondistanz offiziell eingeführt.
Für mich war es die 42. Marathonauflage mit dem Ziel, das „Treppchen“ zu erreichen. Vielleicht sogar schneller als jemals zuvor den Parcours zu absolvieren. Meine Laufuhr hatte ich entsprechend präpariert, sie sollte mir dazu die Orientierung geben.
Mit dabei waren mein Lauffreund Jörg Beyer, ein erfahrener Marathoni und Ultraspezialist und seine Tochter Louisa, die sich für die Halbmarathondistanz entschieden hatte.
Mit dreißig Minuten Verspätung startete der Lindwurm der Läufer unter der Begleitmusik der Bergmannskapelle und guten Worte des Wettkampfsprechers in das Labyrinth des Tunnelsystems im Brügman - Schacht.
Der Läuferpulk zog sich sehr schnell auseinander und nach etwa fünf Minuten konnte ich frei laufen. „Für etwa vier lange Stunden werde ich nun allein sein“, dachte ich. Das ist in diesem Metier bei allen Wettkämpfen so. Wir sind zwar eine große Läuferfamilie aber doch alle Einzelkämpfer.
Durch das fahle Licht der Deckenleuchten erschien mir die Umwelt etwas geisterhaft. Vor Jahrzehnten ausgemusterte Arbeits- und Transportmaschinen huschten im Halbdunkel am Wegesrand vorbei und verstärkten diesen Eindruck noch.
Eine kleine Einführungsrunde und dann waren zwölf Runden für die Marathonis zu absolvieren. Nach jeder Runde schien es mir, als habe die Anzahl der Berge zugenommen.
Ich hatte Kraft und in flottem Tempo ging es voran. Meine Laufuhr bescheinigte mir einen Vorsprung von etwa zwei Minuten zur geplanten Zeit.
Somit konnte ich mir einen außerplanmäßigen aber notwendigen Sprung „in den Busch“ leisten.
Dann erwischte es mich aus „heiterem Himmel“, der gar nicht da war. Ich bekam zunächst heftige Krämpfe in den Muskeln des linken Beins und danach im Rechten. Bisher war mir gar nicht klar, wo es überall schmerzen konnte. Nun wusste ich es. Die Ursache vermutete ich in der extrem trockenen Umgebung und Flüssigkeitsmangel. Das half mir jetzt aber nicht. Mit Eigenmassagen und reduziertem Tempo ging bzw. lief es weiter.
Eine halbe Stunde später als geplant erreichte ich das Ziel. „Bist du Altersklasse 60?“, fragte mich dort ein Kampfrichter. Vermutlich machte ich einen altersgerechten Eindruck, unrasiert und so erschöpft wie ich war. Er schickte mich gleich zur Siegerehrung in den Konzertsaal und mit einem zweiten Platz in meiner Kategorie hatte ich mein Ziel, das Treppchen“, doch noch erreicht.
Jörg und Louisa, die bereits längere Zeit hier saßen, freuten sich mit mir.
Meine Gedanken gingen dabei zurück in die letzte Runde. Ich unterhielt mich dort mit einem Läufer über unsere Prioritäten im Leben, wie unterschiedlich sie doch, je nach Gesundheitszustand und gesellschaftlichem Sein, sich darstellen können.
Das Schöne an solchen Abenteuern und Erlebnissen ist, dass man sie mit keinem Geld der Welt kaufen kann. Sie zu erleben, setzt eine ganz bestimmte Persönlichkeit voraus, die am langjährigen und harten Training dafür nicht gescheitert ist.
Trotzdem ist uns bewusst, dass „morgen“ schon alles anders sein kann…
Deshalb auf zu neuen Abenteuern, Zielen und Herausforderungen. Noch kann ich es…
Danke Olaf Kleinsteuber als Cheforganisator vom „SC Impuls Erfurt“ und den zahlreichen freiwilligen Helfern, ohne die das alles nicht möglich wäre, für dieses Abenteuer.
Wir hätten diesen Tag nicht besser verbringen können.

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Zwischen meinen Trainingsläufen muss ich regenerieren. Dazu habe ich mir ein Mountainbike zugelegt.
Geht ab wie "Schmid's Katze".
Treten muss man natürlich noch selbst.

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Starke Verärgerung in der deutschen Laufszene über die geplante DLV-Laufmaut ab 2016!
(Klick auf Bild)
...soweit zur Demokratie.

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Aktion "Edelweiß Nr. 2" im Juli 2015
Diese Aktion als Coach war wieder geprägt von Erinnerungen an meine K78er vor einigen Jahren. Sechs Mal infolge lief ich hier mit all den Höhen und Tiefen, die so ein Lauf mit sich bringt, und das bezieht sich nicht nur auf die Berge…
Ich fühlte mit, mit welchen Emotionen die Aktiven hier an den Start gingen.
Diesmal waren dabei: Gerlind, Christiane und Jörg.
Jörg wollte in diesem Jahr die 10-Stunden-Grenze knacken. Für Gerlind war es ein Debüt auf einer so langen und extremen Strecke, gilt doch der Swissalpine K78 als schwerster und härtester Ultraberglauf der Welt.
Eine kleine Verzögerung bei der Anreise gab es, denn unser ICE von Hamburg nach Zürich kam mit zwanzig Minuten Verspätung an der Schweizerischen Grenze in Basel an und man erteilte ihm Einreiseverbot.
Die an Präzision gewohnten Eidgenossen wollten sich einfach nicht durch einen verspäteten deutschen Zug ihren Fahrplan durcheinanderbringen lassen.
So hieß es dann für uns umsteigen und mit der Rhätischen Bahn weiter fahren. Das klappte auch.
Der 25.07.2015, der Lauftag, war keinesfalls mit dem durch Regen und Kälte geprägten Tag im Vorjahr zu vergleichen. Es war zunächst sonnig und einigermaßen warm – gute Laufbedingungen.
Unter den Klängen der Melodie „Conquest Of Paradise“ knallte um 07.00 Uhr der Startschuss für die langen Distanzen. Ein bewegender Augenblick, auch für Christiane und mich als Zuschauer. Während der Dorfrunde der Läufer hatten wir die Möglichkeit, Gerlind und Jörg noch einmal zu sehen und ihnen unsere guten Wünsche zuzurufen. Schnell entschwanden sie unseren Blicken.
Um 10.00 Uhr nahmen dann Christiane und ich an einen 10 km langen Volkslauf teil, der auch einige giftige Bergpassagen enthielt. Christianes „Leidensweg“, den sie in einer recht passablen Zeit durch die Schweizer Bergwelt rund um Davos absolvierte, dokumentierte ich mit ein paar Fotos für sie.
Die Wartezeit anschließend auf unsere beiden K78er verkürzten wir uns mit einem Ausflug auf das über 2000m hohe Jakobshorn, einem nahegelegenen Gipfel bei Davos.
Die schöne Aussicht über die alpine Bergwelt bis in den Engadin konnten wir nur kurze Zeit genießen. Wolken zogen auf, es wurde kühler und begann zu regnen. In Gedanken waren wir nun bei Gerlind und Jörg. Wo würden sie jetzt sein?
Nahe am Stadion fanden wir gegen den Regen einen Unterschlupf in einer Bushaltestelle. Kalt war uns trotzdem. Als Gerlind und Jörg nach zehn Stunden nicht erschienen, wechselten wir zum Zieleinlauf ins Stadion.
Da kam er, Jörg, locker und leicht nach etwa zehneinhalb Stunden (10:32:34h) lächelnd ins Stadion!
„Sightseeing“ nannte er seinen Lauf. „Es war sooo schön, da war mir die Zeit egal. Ich habe die Bergwelt genossen. Das war es mir wert.“, meinte er anschließend.
Gerlind kam nach über zwölf Stunden (12:40:23h) ins Ziel. Sie war der extremen Witterung dadurch länger ausgesetzt. Man sah es ihr an. Das Besen-Velo kam erst sehr viel später. Dennoch war sie begeistert von der Bergwelt, der exponierten Laufstrecke, den Zuschauern sowie der präzisen Organisation des Laufes. Amüsiert berichtete sie von einem Schild an einem Bauerngehöft mit der Aufschrift „Saves water and drinking milk“. Zu dem Zeitpunkt regnete es bereits stark und der Bauer sprühte seine Felder immer noch mit Wasser.
Den Zugmarathon heimwärts am nächsten Tag nahmen wir locker hin, obwohl uns bewusst war, dass die Fahrzeit etwa der Laufzeit auf dem K78 entsprach.
Gut ist, dass solche Abenteuer nicht buchbar, nicht käuflich sind. Sie zu erleben, ist nur einer bestimmten Persönlichkeit möglich. Und das ist gut so.
Der Coach und sein Zögling
Auf dem Jakobshorn
Jörg im Ziel
Gerlind im Ziel
Christiane Zieleinlauf
Blick vom Jacobshorn